Das Orwellsche Jahrzehnt und die Zukunft der Wissenschaft: by Eberhard Lämmert (auth.), Bodo von Greiff (eds.)

By Eberhard Lämmert (auth.), Bodo von Greiff (eds.)

Zukunft ist die Geschichte von morgen. Aber was once im neuzeitlichen Sinne mit großer Selbstverständlichkeit unter Geschichte und zu­ künftiger Geschichte verstanden wird, hat nicht immer existiert, weder dem Bewußtsein noch dem Gegenstand nach. Die sogenannte ,Geschichtlichkeit des Menschen' ist kein überzeitliches Phänomen. Das historische Bewußtsein - mit Geschichte als Wissenschaft und Geschichtsphilosophie und Evolutionstheorie als Lehre der gesetz­ mäßigen Entwicklung - ist parallel zur bürgerlich-rationalistischen Kultur im europäischen Lebenshorizont entstanden; es geht auf die Herausbildung und schließliche Existenz einer Gesellschaft zurück, deren Existenzweise die Veränderung selber ist. Entwicklung, Bewe­ gung, Veränderung der menschlichen und außennenschlichen Natur - heute ins Unermeßliche gesteigert - haben Geschichte als Zyklus durch Geschichte als Prozeß ersetzt: Seit die Rastlosigkeit zur Fonn des Daseins wurde, gibt es, was once die Soziologie als "Wandel", die Geschichtsphilosophie als "Fortrücken zum Besseren" (Kant), die Ökonomie als "Innovation", der Marxismus als "pennanente Umwäl­ zung aller gesellschaftlichen Verhältnisse" bezeichnet - Geschichte als unabgeschlossenen "Prozeß der Zivilisation" (Elias).

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Auch für Wirtschaftsunternehmen) einen Grundbestand an Daten vorrätig zu halten. Dieser sog. "Einwohnerdatensatz" umfaßte zuletzt einige hundert Datenkategorien, jeweils mit mehreren Einzelangaben. Mit zäher Regelmäßigkeit versuchte die Bürokratie, das Unternehmen zusammen mit dem berühmten "Personenkennzeichen" (PKZ) durch ein "Melderechtsrahmengesetz" (MRRG) des Bundes (ergänzt um abgesprochene Ländermeldegesetze) absegnen zu lassen. Nun ist es endlich geglückt: nach 12 Jahren immer wiederholter Anläufe wurden es zusammen mit dem Sozialdatengesetz im August 1980 verkündet - zwar ohne PKZ (das nun der maschinenlesbare Ausweis ersetzt) und mit nur reduziertem Datensatz, aber immerhin mit der ersten Rasterfahndungsvorschrift der Welt.

Sie ist im Grunde eine Debatte über Sinn und Zweck von Industrialisierung, Wirtschaftswachstum und Fortschritt geworden. Lassen Sie mich aber - ehe die Diskussion allgemeiner wird - kurz auf die zunächst genannten konkreten Punkte eingehen. Ich müßte sehr stark in technische Einzelheiten eingehen, um diese technischen Einwände im Detail zu behandeln, und male deshalb hier bewußt mit etwas breitem Strich. Heute laufen in der Welt rund 230 Kernkraftwerke; die dabei gewonnenen Betriebserfahrungen sind, wenn man es mal wirklich nüchtern betrachtet, im großen und ganzen befriedigend.

W. Steinmüller: Strukturen der Datenzeit 53 fen. Um sich in dieser Entwicklung zu orientieren, ist es zweckmäßig zu bemerken, daß jede bisher bekannte Informationstechnologie sich als eine Verstärkung einer oder mehrerer Phase(n) des geistigen Arbeitsprozesses (Informationen sammeln, aufbewahren, verändern, übermitteln, vervielfältigen, schließlich vernichten) darstellen läßt (vgl. Abb. 15). 3 Drittens organisatorisch: Die von der Rationalisierung erfaßte geistige Arbeit wird - vermutlich bis hin zum Weltmaßstab - völlig reorganisiert werden.

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